Kohlenhydrate nur am Abend - der neue Diättrend ?

Wer ausschließlich am Abend Kohlenhydrate zu sich nimmt, schlägt nicht nur dem nagenden Hungergefühl in der Nacht ein Schnippchen. Er senkt zudem das Risiko von Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich.

Wie eine neue Studie der Hebrew Universität in Jerusalem zeigt, kann eine Umstellung der Ernährung, welche den Verzehr von Kohlenhydraten hauptsächlich auf das Abendessen beschränkt, Menschen ernsthaft zu Gute kommen, welche an schweren Krankheiten oder Übergewicht leiden.

Die Diät beeinflusst die Ausschüttung jener Hormone, die für das Hunger- und Sättigungsgefühl verantwortlich sind. Ebenso werden spezielle Hormone freigesetzt, die mit dem metabolischen Syndrom in Zusammenhang gebracht werden. Die neue Ernährungsweise macht es dadurch leichter, durchzuhalten und vermindert zudem die Risikofaktoren für Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Studie wurde von dem Studenten Sigal Sofer unter der Betreuung von Professor Zecharia Madar am Institut für Biochemie, Lebensmittelwissenschaften und Ernährung in der Robert H. Smith Fakultät für Agrikultur, Ernährung und Umwelt der Hebrew Universität durchgeführt. (Professor Madar ist inzwischen wissenschaftlicher Leiter im israelischen Bildungsministerium.)

Sofer teilte 78 Polizeioffiziere willkürlich entweder der experimentellen Diät (Kohlenhydrate zum Abendessen) oder einer Diät zu, welche auf einen Gewichtsverlust abzielte (Kohlenhydrate im Laufe des Tages). 63 Versuchspersonen beendeten das sechsmonatige Programm.

Die Wissenschaftler untersuchten den Einfluss der experimentellen Diät auf die Ausschüttung drei verschiedener Hormone: Leptin, auch als Sättigungshormon bezeichnet, welches im Laufe des Tages im Blut üblicherweise niedrig konzentriert ist, nachts dagegen sehr hoch; Ghrelin, bekannt als "Hunger-Hormon", dessen Konzentration im Blut am Tag normalerweise hoch ist und niedrig in der Nacht; Adiponectin, das "Bindeglied" zwischen Fettleibigkeit, Insulinabwehr und dem metabolischen Syndrom, das bei adipösen Menschen sehr niedrig konzentriert ist.

"Die Idee entstand auf der Grundlage von Studien, die zeigten, dass sich bei Moslems während des Ramadans, wenn sie während des Tages nichts und am Abend sehr kohlenhydratreich essen, die Ausschüttungskurve von Leptin verändert", erklärte Professor Madar.

Die Forscher fanden heraus, dass die innovative Ernährungsumstellung zu Veränderungen in den tageslichtabhängigen hormonellen Profilen der Versuchspersonen führte: Die Ausschüttungskurve des Sättigungshormons Leptin wurde während der Stunden mit Tageslicht konvex mit einem Tiefststand spät am Tag; die Freisetzungskurve des Hormons Ghrelin wurde konkav und erreichte den Höchststand in den Abendstunden; die Kurve von Adiponectin stieg deutlich. Gleichzeitig führte die Diät zu einem geringeren Hungergefühl sowie besseren anthropometrischen (Gewicht, Bauchumfang und Körperfettanteil) und biochemischen (Blutzucker, Blutlipiden) Ergebnissen im Vergleich zur Kontrollgruppe. Ebenso wurde das Risiko entzündlicher Krankheiten vermindert.

Die Resultate der Studie deuten darauf hin, dass es vorteilhaft ist, den Verzehr von Kohlenhydraten auf den Abend zu beschränken. Die spezielle Diät ist besonders Personen zu empfehlen, die aufgrund von Übergewicht gefährdet sind, an Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken. "Die Ergebnisse des Experiments schaffen die Grundlage für eine geeignete Alternativ-Diät für jene Menschen, die sich schwer tun, eine Diät über längere Zeit durchzuhalten", sagte Professor Madar. "Der nächste Schritt ist, die Mechanismen zu verstehen, die zu den Resultaten geführt haben."

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